Mehr #Urlaub ab 50? #Diskriminierung durch Tarifvertrag führt zu #Schadensersatz

Dr. Sandra Flämig, RechtsanwaltVon Dr. Sandra Flämig, Fachanwältin für Arbeitsrecht aus Stuttgart.

Urlaub ist eine tolle Sache. In Deutschland haben viela Arbeitnehmer ihre 30 Tage sicher. Es geht auch noch mehr. Ich kenne Arbeitgeber, die sogar 42 Tage bei einer 5-Tage-Woche gewähren! In dem vom BAG entschiedenen Fall (Urteil vom 12.04.2016 9 AZR 659/14) ging es darum, ob einem Arbeitnehmer nicht nur 30 Tage sondern 33 Tage Urlaub zustehen. 

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Der Arbeitnehmer wurde im Jahr 2009 50 Jahre alt. Der zwischen der Gewerkschaft ver.di und seinem Arbeitgeber geschlossene Tarifvertrag sah vor, dass Menschen, die bis Ende 2008 das 50. Lebensjahr vollendeten nicht nur 30, sondern 33 Urlaubstage beanspruchen können. Die gesamte Urlaubsregelung legte die erste Staffelgrenze auf bis 30 Jahre, ging dann weiter mit 30 bis 40 Jahre, 40 bis 50 Jahre und über 50 Jahre.

Der Kläger verlangte von seinem Arbeitgeber für die Jahre 2009 bis 2012 Schadensersatz in Höhe des Urlaubsentgelts für die insgesamt 12 Urlaubstage. Er berief sich dabei auf Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, denn er werde schlechter behandelt als Menschen, die schon 2008 50 geworden sind und somit werde er wegen seines Alters diskriminiert. Und in der Tat gab ihm das BAG zumindest für den Schadensersatzanspruch aus dem Jahr 2012 Recht, denn die anderen Ansprüche waren wegen der kurzen 3-monatigen Ausschlussfrist des Tarifvertrages verfallen.

Das BAG begründete wie folgt:

  • Es liegt eine unmittelbare Benachteiligung wegen des Alters vor, denn der Arbeitnehmer wurde schlechter behandelt als vergleichbare Arbeitnehmer, die älter waren.
  • Die Diskriminierung war nicht gerechtfertigt. Zwar gibt es in § 10 AGG  Rechtfertigungsgründe nach denen eine Diskriminierung wegen des Alters gestattet ist, jedoch müsste die Benachteiligung dann objektiv angemessen sein und eine legitimes Ziel verfolgen. Angemessen und erforderlich ist die ungleiche Behandlung aber nur, wenn das damit angestrebte Ziel auch erreicht werden kann.
  • Das sah das BAG aber nicht. Es führte aus, dass es nicht ersichtlich sei, dass Menschen ab 50 einen größeren Erholungsbedarf haben als Menschen unter 50. Außerdem schien dem BAG die mit 30 Jahren beginnende Altersstaffel nicht nachvollziehbar. Es sei nicht plausibel, dass eine Altersstaffel, die schon mehr Urlaub ab 30 Jahre gewährt und sich dann steigert, dazu dient, ältere Menschen zu schützen.

Es waren also 2 Fehler im Tarifvertrag. Zum einen lässt sich ein besonderes Schutzbedürfnis älterer Menschen nicht erklären, wenn schon mit 30 Jahren ein erhöhter Erholungsanspruch entsteht und zum anderen ist nicht plausibel, wieso Menschen ab 50 mehr Urlaub brauchen.

Altersstaffeln in Tarifverträgen können daher für Arbeitgeber zur ungewollten Spardose werden. Gerettet hatte den Arbeitgeber die kurze Ausschlussfrist, so dass zumindest 3/4 des Anspruchs verfallen waren.

Über die Autorin:

Dr. Sandra Flämig ist Fachanwältin für Arbeitsrecht aus Stuttgart.
Kanzlei flaemig, Dr. Sandra Flämig

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Talents Connect gewinnt HR Start-UP Award 2016

Von Gerhard Kenk, Crosswater Job Guide

Es war ein nervenaufreibendes Procedere für ambitionierte HR Start-UPs: Unterlagen für die Jury einreichen, Bewertung durch die Jury, Entscheidung über die Finalisten. Und dann schlug am zweiten Tag des Personalmanagementkongress 2016 in Berlin die Stunde der Wahrheit. Ein Kompakt-Pitch vor versammeltem Publikum, eine Frage-und-Antwort-Session durch die Jury, die Nachfragen der Experten hatten es wirklich in sich. In diesen kurzen Momenten entscheidet sich, ob ein Start-up reüssiert oder auf die Plätze verwiesen wird.

 

25 Bewerbungen für den HR Start-UP Award lagen vor, darunter befanden sich HRforecast, Staffbase, Talents Connect, Tandemploy, Campusjäger, HR Instruments, Impraise, mobilejob, Small Improvements und Talentwunder.

Die Experten Jury

  • Dr. Jörg K. Ritter, Quadriga Hochschule Berlin
  • Michael H. Kramarsch, hkp/// group
  • Mariel von Schumann, Siemens
  • Dr. Elke Eller, BPM
  • Dr. Rainer Zugehör, MovingImage24,
  • Dr. Michael Prochaska, Andreas Stiehl AG
  • Sascha Lobo, Publizist und Internet-Blogger

 

Die Jury: Offizielle Bedenkenträger

Die offizielle Bedenkenträger der Jury: Hajo Schumacher (Moderator) Dr. Elke Eller, Michael Kramarsch, Mariel von Schumann (v.l.n.r.)

 

Die vier Finalisten waren

  • HRForecast von peopleForecast
  • Staffbase – Alle Mitarbeiter. Eine App. von Staffbase
  • Talents Connect von 22CONNECT
  • TANDEMPLOY – HR-Technologie für Jobsharing und flexible Arbeit von Tandemploy GmbH

 

Talents Connect Pitch

 

Talents Connect: Ein Job für dich.

Der Einstieg ins Berufsleben ist nicht leicht. Und wir erwarten nicht, dass du weißt, wo du hin willst. Du musst dich nicht durch 1.000 Stellenanzeigen klicken, um einen tollen Job zu finden. Sag uns einfach, was dir wichtig ist. Wir zeigen dir, warum jemand genau dich sucht. Ganz transparent. In Prozenten dargestellt. Für dich.

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Robin Sudermann beim Talents Connect Pitch. Die Begeisterung für den späteren Gewinner war jedoch den Gesichtern der Jury nicht abzulesen.

Das Kölner Start-up Talents Connect präsentierte eine integrierte Lösung für das Matching von Anforderungen und Persönlichkeitsmerkmalen, die die Jury und die anwesenden Personalmanager begeisterte.

Robin Sudermann beim Pitch: Die messerscharfe Argumentation überzeugt auch Jury-Mitglied Sascha Lobo

Robin Sudermann beim Pitch: Die messerscharfe Argumentation überzeugt auch Jury-Mitglied Sascha Lobo – trotz skeptischem Blick.

 

Geschafft: Moderator Hajo Schumacher beglückwünscht Aylin Bruns und Robin Sudermann von Talents Connect

Geschafft: Moderator Hajo Schumacher beglückwünscht Aylin Bruns und Robin Sudermann von Talents Connect

Staffbase Pitch

Staffbase: Wir lieben unsere Mitarbeiter-App!

Unsere Mitarbeiter-App auf Basis von Staffbase hilft uns dabei, mit unserer Internen Kommunikation auch Mitarbeiter außerhalb des Büros zu erreichen. Unsere Kollegen nutzen die App um Unternehmensnachrichten im Zug, am Flughafen, im Hotel oder zu Hause zu lesen.

Neue Inhalte zu erstellen ist super-einfach, genau wie die Nutzung der App. Die Erweiterbarkeit von Staffbase ermöglicht es uns, individuelle Funktionen z.B. für die Raumbuchung auszurollen, ohne dass Mitarbeiter eine weitere App herunterladen.

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Dr. Lutz Gerlach, Staffbase

 

 

Tandemploy Pitch

Tandemploy: Unsere Vision

Wir glauben an Arbeit, die ins Leben passt. Und die sich heute flexibilisiert, nicht irgendwann in der Zukunft. Von Buzzwords zur Arbeitswelt 4.0 hatten wir genug – und haben nach Ansätzen gesucht, die jetzt die Kraft haben, wirklich etwas zu verändern. Im Jobsharing haben wir eine Lösung gefunden, die uns nicht mehr losgelassen hat.

Wir konnten gar nicht anders, wir mussten Tandemploy gründen.

Heute starten – ohne Change Prozess

Heute machen wir HR-Software, die sofort einsetzbar ist und Unternehmen ohne große Change Prozesse dazu befähigt, von innen heraus etwas zu bewegen. Denn Jobsharer – ob sie nun neu ins Unternehmen kommen oder intern zueinander finden – leben Teamarbeit, offene Kommunikation, Proaktivität und Eigeninitiative. Das färbt nicht nur auf die Kollegen ab, sondern hinterlässt auch Spuren in der Unternehmenskultur.

Tandemploy GmbH

Seit 2013 unterstützen wir Menschen und Unternehmen dabei, ihre Arbeit flexibler zu gestalten. Und leben dabei das, was wir sagen. Wir selber arbeiten in unserem Berliner Büro in höchstem Maße flexibel – und denken in Aufgaben, nicht in Stellen. Mittlerweile arbeiten über 50% unseres Teams selber im Tandem..

Ausgezeichnet

Unsere Idee wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, u.a. von „Deutschland – Land der Ideen 2015“, beim HR Innovation Slam, mit dem „einfach.anders.arbeiten“ Award des eco Internetverbands und als Wirtschaftswundermacher von Microsoft Deutschland.

 

Tandemploy

Tandemploy: Anna Kaiser und Jana Tepe beim Pitch

 

HRForecast Pitch

Florian Fleischmann

Florian Fleischmann

HRForecast: Big Data for Big Questions

„Big Data for Big Questions“ – that’s what drives us! Besides being our guiding principle, this phrase also serves as the baseline for future-oriented and sustainably effective HR Management. With our modern Big Data technologies and innovative HR analytics, our customers can benefit from intelligently connected data and gain an individual, strategic competitive advantage.

The portfolio of HRForecast includes solutions for the whole spectrum of strategic workforce and business planning. Holistic models and concepts, the usage of connected data, proactive HR management and a dynamic and flexible workforce: we reduce immensely growing databases to the essence. For current and future challenges in virtually any HR-relevant area, we are able to deliver better, faster and more comprehensive solutions compared to traditional methods.

Die Sieger: Gruppenbild mit Damen

Gewinner

Die Gewinner

 

Die Abstimmung

 

 

Die Abstimmung

Die Abstimmung

 

Als nach den Präsentationen die Abstimmung über die Sieger per SmartPhone-Vote durchgeführt wurde, zeigte sich, wie hart umkämpft die Siegerposition war. Am Ende setzte sich Talents Connect durch.

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Die Zwischenergebnisse: Spannung bis zum Schluss

 

Über den Personal­management­kongress

Mit dem Personalmanagementkongress 2016 veranstaltet der BPM am 30. Juni und 1. Juli zum siebten Mal den größten Fachkongress für Personalverantwortliche im deutschsprachigen Raum und bietet für über 1500 Human Resources Manager die wichtigste Plattform zum Austausch über relevante Branchenthemen. Auch in diesem Jahr bietet Ihnen unser Kongressprogramm vielfältige Einblicke in die Best Practices Ihrer HR-Kollegen und überraschende Denkanregungen von unseren hochkarätigen Keynote-Speakern und neuartigen Schulterblick-Vorträgen. Einen ersten Einblick in das Kongressprogramm und die Vortragsthemen gibt Ihnen unsere Programm Preview. Und einen Vorgeschmack auf die jährliche Gala „Nacht der Personaler“ finden Sie hier.

Über den Autor:

Gerhard Kenk

Gerhard Kenk

Mail: info [at] crosswater-systems.com
http://crosswater-job-guide.com

DREI SCHLÜSSEL FÜR WIRKUNGSVOLLES FEEDBACK!

In diesem Artikel stellt unsere CLP-Referentin Rechtsanwältin Dr. Anja Schäfer Ihr Kompetenzthema „Networking“ unter einem weiteren Aspekt vor:

Feedback als wirksames Kommunikationsinstrument

Dies ist nicht nur mir, sondern sicher sicherlich auch schon mehr als einmal passiert: Sie erhalten eine Rückmeldung in einem kritischen oder gar abfälligen Ton zu etwas, was Sie gesagt oder getan haben, wie bspw. „du siehst aber schon wieder müde aus,“ oder „ich glaube, Sie verbergen etwas“. Dies führt häufig dazu, dass Sie sich falsch oder missverstanden fühlen. Sie haben das Gefühl, sich rechtfertigen oder verteidigen zu müssen. Häufig endet eine solche Situation mit einem schalen Beigeschmack.

Dass muss nicht sein. Arbeiten Sie stattdessen mit wirkungsvollem Feedback!

Feedback ist eines der besten Kommunikationswerkzeuge, die ich als Coach kenne. Feedback bedeutet: sagen, wie etwas ist oder war bzw. auch sagen, was funktioniert hat und was nicht. Und zwar wertfrei und wertschätzend, so dass sich der andere nicht schlecht fühlt. Er fühlt sich vielmehr gesehen bzw. angenommen und hat so die Möglichkeit, zu wachsen.

Von mir als Coach wird erwartet, dass ich Dinge beim Namen nenne. Ich bin kein Kumpel oder Kindermädchen. Ich sage, was Sache ist, was ich sehe, was funktioniert und was nicht. Und ich sage dies so, dass der andere es annehmen kann, nämlich in dem ich ohne Unterton bspw. sage „du schaust aus, als ob du einen anstrengenden Tag hattest“ oder auch „das ist noch nicht, was Sie tun oder begehren.“. Ich bin, mit anderen Worten, ein ehrlicher Spiegel, in dem sich mein Gegenüber klar sehen kann. Auf diese Weise kann der andere entspannen, fühlt sich erkannt und kann ggfs. sein Verhalten ändern, so dass eine Entwicklung möglich wird.

Wenn Sie zu den Menschen gehören, die erfolgreich Feedback geben, werden Sie feststellen, dass es Ihnen dadurch gelingt, mit anderen in einer guten Verbindung zu sein.

Meine drei besten Tipps für erfolgreiches Feedback:

Wenn Sie dieses Kommunikationsmittel erst für sich entdecken, verrate ich hier meine drei besten Tipps „zum Feedback geben“ und damit auch für ein leichteres Leben:

Tipp Nr. 1: Klare und knackige Kommunikation

Ich sage kurz und klar, was funktioniert hat und was nicht.
Ich bin wie ein Spiegel, ich reflektiere nur.
Ich bin freundlich im Ton, egal ob ich „negatives“ oder „positives“ Feedback gebe, und achte auf meine Körpersignale.
Ich gebe zeitnah Rückmeldung.
Tipp Nr. 2: Meine Haltung

Ich habe keine Meinung über den anderen.
Ich urteile, bewerte und interpretiere nicht und nichts.
Ich habe den Fokus auf dem Anliegen des anderen und bin ohne Erwartungen.
Ich will den anderen dabei unterstützen, seine Ziele zu erreichen und ihn nicht verändern.
Tipp Nr. 3: Meine Erfolgskontrolle

Ich beobachte genau die Reaktion des anderen und unterscheide „gleich oder anders“.
Mein Feedback hat funktioniert, wenn der andere strahlt, entspannt oder neugierig geworden ist.
Mein Feedback hat nicht funktioniert, wenn der andere angespannt(-er) ist oder weg schaut.
Mein Gegenüber ist somit mein Spiegel, an dem ich sehen kann, ob mein Feedback funktioniert hat oder nicht. Und dafür habe ich jedes Mal eine neue Chance.

Noch mehr Tipps und Informationen zum Thema Feedback geben oder nehmen oder auch dazu, was durch Feedback im Business oder privaten Umfeld erreicht werden kann, gibt es in meinem

Webinar am Dienstag, 19. Juli um 19.30 Uhr.

Hier können Sie sich für das (kostenfreie) Webinar „Feedback als wirksames Kommunikationsinstrument“ am Dienstag, 19. Juli, um 19.30 Uhr mit mir anmelden:

https://attendee.gotowebinar.com/register/8832956724330538500

Lassen Sie sich von mir im Webinar inspirieren, finden Sie Antworten bzw. neue Ideen und probieren Sie es danach praktisch aus. Ich wünsche Ihnen dabei viel Erfolg und stehe für Fragen gern zur Verfügung.

Herzliche Grüße, ich freue mich auf Sie.

Dr. Anja Schäfer

Rechtsanwältin & Business Coach

PS: Im nächsten Artikel erfahren Sie alles zur wirksamen Mandanten – Kommunikation (Anmeldung für den Blog JurCoach).

Sie wollen zu den Besten gehören? Dann ist das Top Lawyer Program genau das Richtige für Sie! Setzen Sie auf Ihre Stärken und lassen Sie die Konkurrenz hinter sich!

Alle Infos dazu unter www.CLP-JurCoach.de oder in unserem Info-Webinar am 14.07.!

VW Abgasskandal: Ermittlungen wegen des Verdachts der Marktmanipulation

Bis zu 15 Milliarden Dollar muss VW als Folge des Abgasskandals in den USA zahlen. Noch nicht eingerechnet sind dabei Forderungen geschädigter Aktionäre. Die könnten auch in Deutschland auf Volkswagen zukommen. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt inzwischen wegen des Anfangsverdachts der Marktmanipulation gegen den ehemaligen Vorstandschef Martin Winterkorn und ein weiteres Vorstandsmitglied. Anzeige hatte die Finanzaufsicht BaFin erstattet.

 

Der Staatsanwaltschaft liegen offenbar Anhaltspunkte vor, dass VW seinen Informationspflichten nicht nachgekommen ist. Demnach könnte die Konzernspitze schon früher von den manipulierten Abgaswerten gewusst und dies verschwiegen haben. Erst nachdem die US-Behörden den Abgasskandal an die Öffentlichkeit gebracht hatte, gab VW einige Tage später eine entsprechende Meldung heraus. Das könnte allerdings zu spät gewesen sein. Denn nach dem Wertpapierhandelsgesetz müssen Insiderinformationen, die den Kurs einer Aktie nachhaltig beeinflussen können, unmittelbar als Ad-hoc-Meldung veröffentlicht werden. Hat VW zu spät reagiert, dürfte sich der Konzern gegenüber seinen Aktionären schadensersatzpflichtig gemacht haben.

 

Rechtliche Einschätzung der Kanzlei Kreutzer, München: VW-Aktionäre haben in Folge des Abgasskandals beträchtlichen Schaden erlitten. Die Aktie ist nach wie vor weit von dem Kurs, den sie vor Bekanntwerden der Abgasmanipulationen hatte, entfernt. Ob sie sich angesichts der zu erwartenden Strafzahlungen in den USA und möglicherweise auch in Europa sowie des beträchtlichen Imageschadens auf absehbare Zeit wieder erholen wird, ist fraglich. Schon seit längerer Zeit gibt es Vermutungen und Indizien, dass der damalige Vorstand nicht erst im September 2015 von den Manipulationen erfahren hat. Durch die staatsanwaltlichen Ermittlungen haben sich diese Vermutungen erhärtet. Für die Aktionäre bedeutet dies, dass ihre Chancen auf Schadensersatz gestiegen sein dürften. Entsprechende Klagen können gegen den VW-Konzern eingereicht werden. Nachdem das Landgericht Braunschweig bereits den Weg für ein Musterverfahren nach dem Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMuG-Verfahren) geebnet hat, besteht auch die Möglichkeit, sich dem Musterverfahren anzuschließen. Das spart Zeit und reduziert das Prozesskostenrisiko.

Steilmann SE: Verdacht der Insolvenzverschleppung

Zwischen dem Börsengang des Modekonzerns Steilmann und der Insolvenz lagen nur gut fünf Monate. Dieser kurze Zeitraum hat schon viele Anleger misstrauisch gemacht. Nun bekommt dieses Misstrauen neue Nahrung. Nach der Strafanzeige zweier Lieferanten ermittelt inzwischen die Staatsanwalt Dortmund wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung, berichtet der WDR.

 

Demnach sind die Lieferanten auf ihren offenen Rechnungen sitzen geblieben. Es wird nun ermittelt, ob Steilmann noch Waren bestellt hat, obwohl schon die Insolvenzreife vorlag. Im Zuge dieser Ermittlungen dürften auch noch einmal die Umstände des Börsengangs im November 2015 näher beleuchtet werden. Anleger hatten zwar deutlich weniger als erhofft aber immerhin noch rund 9 Millionen Euro in die Steilmann-Aktien investiert. Kein halbes Jahr später folgte der Insolvenzantrag. Nun stellt sich die Frage, ob die Insolvenz nicht schon zum Zeitpunkt des Börsengangs absehbar war und sich Steilmann gegenüber den Aktionären schadensersatzpflichtig gemacht haben könnte.

 

Rechtliche Einschätzung der Kanzlei Kreutzer, München: Auch wenn wie immer die Unschuldsvermutung gilt – die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung kann neue Hoffnung für die Aktionäre bedeuten. Denn im Insolvenzverfahren gehen sie aller Wahrscheinlichkeit leer aus. Wurden im Emissionsprospekt schon falsche, unvollständige oder irreführende Angaben gemacht, um das Papier den Anlegern schmackhaft zu machen, kann das Ansprüche auf Schadensersatz begründen. Immerhin hatte Steilmann auch auf einen deutlich höheren Erlös aus dem Börsengang gehofft.

 

Für die Anleihe-Anleger gibt es im Insolvenzverfahren immerhin noch Hoffnung auf eine Insolvenzquote. Aber auch die wird kaum ausreichen, um die Forderungen vollauf zu befriedigen. Um die finanziellen Verluste zu minimieren, können auch hier Ansprüche auf Schadensersatz geprüft werden.