Vom Leben in „Arbeiterschließfächern“ hinter dem „Iron Curtain“ im „Tal der Ahnungslosen“

Vom Leben in „Arbeiterschließfächern“ hinter dem „Iron Curtain“ im „Tal der Ahnungslosen“

Inzwischen ist es eine ganze Generation, für die der „Eiserne Vorhang“ nur noch Geschichte ist. Der „iron curtain“, dessen „Taufpate“ der britische Premierminister Churchill war („From Stettin in the Baltic to Trieste in the Adriatic, an iron curtain has descended across the continent“, 05. März 1946) fiel nach über 40 Jahren endlich im November 1989.

Damals noch undenkbar, lediglich ein „kurzes“ Jahr später, am 03. Oktober 1990, war die deutsche Teilung endlich Geschichte.

Wie in jedem Land, in jeder Kultur, fand sich in der DDR ein eigener Slang, der nach dem Ende der DDR zum größten Teil verschwand. Zu diesem „verlorenen“ Kulturgut gehören viele Ausdrücke die sich, mehr oder weniger spitzfindig, gegen den sozialistischen Staat und dessen Apparate richteten.

So wohnten, zum Beispiel, diverse DDR Bürger in „Arbeiterschließfächern“ im „Tal der Ahnungslosen“.

Der Arbeiter- und Bauernstaat DDR litt bekanntlich unter chronischem Wohnungsmangel, der durch ein gewaltiges Bauprogramm aufgefangen werden sollte. Daher wurden unzählige Plattenbauten errichtet, oft mit winzigen Wohnungen die nur aus einem Raum bestanden. Der Spitzname dieser Wohnungen war „Arbeiterschließfächer“. Trotz ihrer Winzigkeit waren die „Arbeiterschließfächer“ ein hochbegehrtes Gut, denn Wohnungsmangel war ein chronisches Problem in der DDR.Englisch_nach_Mass_Arbeiterschließfächer

Informationen aller Art waren, genau wie Wohnungen, sehr gefragt. Einen besonders hohen Stellenwert hatten unabhängige Informationen, die nicht von den zensierten Staatsorganen der DDR stammten. Eine beliebte Informationsquelle bei DDR Bürgern war die unabhängige Berichterstattung des Westfernsehens. Diese hatte leider einen Haken, denn sie war ungesetzlich.

Diese „Kleinigkeit der Illegalität“ hinderte die DDR Bürger jedoch nicht daran, ein hohes Maß an Einfallsreichtum bei der Konstruktion verschiedener Antennen zu entwickeln. Das heißbegehrte Westfernsehen bedeutete einen Hauch von Freiheit für diese eingesperrten Menschen.

Pech hatten allerdings die DDR Bürger die in und um Dresden lebten. Diese Menschen befanden sich nämlich im „Tal der Ahnungslosen“. Geografisch zu weit entfernt von Westdeutschland um das Westfernsehen empfangen zu können, war der Großteil der Dresdner auf das DDR Fernsehen, inklusive staatlich kontrolliertem und daher zensiertem, Informationsfluss angewiesen. „Fake News“ á la DDR also, welche die Gattung der „Ahnungslosen“ erschuf.

Es gibt viele spannende Geschichten über die illegale Konstruktion gigantischer Fernsehantennen oder die Grabung endloser Kabelschächte um die „Ahnungslosigkeit“ zu verringern. Manchmal klappten diese Versuche, oft half leider nichts. Aber, das Durchhaltevermögen und die Erfindungsgabe der „Ahnungslosen“ waren mindestens so groß wie ihr Wissensdurst.

Am 01. April 2012 ereignete sich ein amüsanter Epilog in Bezug auf den Konsum von Westfernsehen in der DDR. Die Plattform Telepolis, ein Onlinemagazin von Heise.de, berichtete nämlich, dass eine rückwirkende GEZ Gebühr für den Konsum von Kino-Spielfilmen für einstige DDR-Bürger geplant sei.

Wie das Sprichwort schon sagt: „Wer den Schaden hat…“

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Patricia Hinsen-Rind

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