Hüte dich vor Falschen Freunden: Mit etwas Glück die Fahrschule vorspulen

Vor kurzem an der Tankstelle gesehen: Die schnell vorspulende Fahrschule.

Die Fahrschule heißt nämlich „Fast Forward Fahrschule“. Und liefert damit ein weiteres, entzückendes Exemplar einer „Übelsetzung Marke Eigenbau“. Ein Wortkonstrukt, das meint, eine deutsche Begrifflichkeit in einem englischen Ausdruck zu finden – und dabei gänzlich daneben liegt.

Mit der Begrifflichkeit „fast forward“ möchte die Fahrschule natürlich das schnelle Vorankommen verdeutlichen. Wie auch der Slogan „Schnell vorwärts zum Führerschein“ erklärt.

Unglücklicherweise bedeutet aber das englische „fast forward“ nicht „schnell vorwärts kommen“. Anders als von der Fahrschule angenommen, bedeutet „fast forward“ nämlich „schnell vorspulen“.

„Fast forward“ hat seinen Ursprung in der Ära der Tonbänder, wurde dann bei Kassetten übernommen und steht heute als Begriff für das Vorspulen bei jeder Art von Video oder Audiomedien, egal ob CD, DVD, Blue Ray oder Datei. Weiterhin wird „fast forward“ auch bei unglücklichen oder misslichen Situationen gebraucht, bei welchen der Wunsch nach einem schnellen Vorübergehen entsteht. „Can we please just fast forward through this mess“ wäre ein Beispiel für diese Verwendung.Englisch_nach_Mass_Fast

Selbstverständlich wäre der Gebrauch von „fast forward“ mit dieser Auslegung ebenfalls bei der Fahrprüfung anwendbar.  Ist doch der inständige Wunsch, dass diese schleunigst vorüber gehen möge absolut nachvollziehbar.

Die „Fast Forward Fahrschule“ ist nicht allein mit ihrem übelsetzerischen Namen, kurz nach der Entdeckung an der Tankstelle fand sich flugs ein weiteres, charmantes Exemplar, nämlich die „Lucky Drive Fahrschule“.

In Ähnlichkeit zu ihrer schnell vorspulenden Mitbewerberin hat die „Lucky Drive Fahrschule“ den Begriff „Glück“ in ihrem Namen verarbeitet. Denkbar ist, dass die „Lucky Drive Fahrschule“ sich als Fahrschule glücklicher Fahrschüler betrachtet. Möglicherweise sieht sie sich als Fahrschule der glücklichen Fahrschüler, welche die heiß begehrte Fahrerlaubnis schließlich ihr Eigen nennen dürfen. Problematisch ist, dass auch diese Übelsetzung Unsinn ist.

Die Begriffe „Glück“, „Glück haben“, „glücklich sein“ werden auf Englisch unterschiedlich ausgedrückt und sind nicht gleich übersetzbar.

Eine Variante der Übersetzung von „Glück“ ist „luck“.  „Luck“ bzw. dessen Adjektiv „lucky“ bedeutet jedoch „Glück zu haben“, beispielsweise bei der Vermeidung eines Unfalls (he was lucky to avoid an accident). Oder, Glück bei Kartenspielen zu haben (she’s lucky at cards).

Manchmal ist „Lucky“ auch Teil eines Spitznamens. Ein Beispiel hierfür wäre der berühmte Mafioso „Lucky Luciano“. Auch wenn „der glückliche Luciano“ als Übersetzung hier nahe liegt, ist „Glück gehabt Luciano“ eine geeignetere Übersetzung, welche die korrekte Bedeutung von „Lucky“ beinhaltet. Herr Luciano erhielt den Spitznamen „Lucky“ nämlich, als er einen Angriff überlebte, der eigentlich tödlich hätte für ihn enden sollen. Weil er aber „Glück hatte“ und überlebte wurde er „Lucky“ genannt.

„Lucky“ oder „luck“ haben demnach nicht die Bedeutung von „glücklich sein“. Um „glücklich sein“ auszudrücken ist die passende Wahl das Wort „Happiness“ bzw das Adjektiv „happy“.

Im Hinblick auf die Fahrschule besteht natürlich die Möglichkeit von „glücklich sein wegen der bestandenen Fahrerlaubnis“ zu sprechen. In dieser Situation spielt „luck“ allerdings nur eine Rolle wenn man grundsätzlich Glück hatte, die Fahrprüfung zu bestehen. „I’m so thrilled to have passed my driving test“ im Vergleich zu „I was lucky to have passed my driving test“.

Die Bedeutung von „drive“ ist tatsächlich auch „fahren“, würde aber im korrekten englischen Sprachgebrauch nie auf diese Art mit „lucky“ verknüpft. Diese Verknüpfung ist Unsinn, sie bedeutet hier nämlich quasi „Glück beim Fahren haben – d.h. glücklich sein, dass nichts Schlimmes vorgefallen ist“. Es bedeutet in keinem Fall die Aussage welche die deutsche Sprachschule damit treffen wollte, nämlich „glückliches Fahren“.

Die Verwendung von „Happy“ oder „Lucky“ im Firmennamen ist erfahrungsgemäß schwierig. Mit Ausnahme von asiatischen Geschäften oder Restaurants findet „Glück“ wenig Anwendung in dieser Beziehung.

In Deutschland hat man leider häufig eine falsche Vorstellung von Glück. So findet man nicht nur „Glück beim Fahren gehabt“, man findet ebenfalls „glückliche Lebensmittel“ (Happy Food, der Feinkostladen) sowie „glückliche Nägel“ (Happy Nail’s – einschließlich Rechtschreibfehler, es sollte dann nämlich zumindest „Nails“ sein).

Die Bilanz:  In Puncto „Übelsetzungen Marke Eigenbau“ wird man selten glücklich.

Im nächsten Artikel: „Dosensprech (Canspeak)“

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