Geschäftskultur: Passen Ihnen Einheitsgrößen? Von den Tücken der „One size fits all“ Angebote

Geschäftskultur: Passen Ihnen Einheitsgrößen? Von den Tücken der „One size fits all“ Angebote

Jede Frau, die sich einmal in eine Strumpfhose in „Einheitsgröße“ gequält hat, versteht, dass es so etwas wie „Einheitsgröße“ gar nicht gibt. Der englische Ausdruck „one size fits all“, also „eine Größe passt allen“ ist daher noch widersprüchlicher als der deutsche Begriff „Einheitsgröße“.

Es ist unmöglich, dass ein Kleidungsstück jedem Menschen passen kann. Aber, „Einheitsgröße“ behauptet genau das. Mit dem Ergebnis, dass „Einheitsgröße“ niemandem wirklich passt. „Einheitsgröße“ ist entweder zu kurz oder zu lang, zu eng oder zu weit, oder eine Kombination der diversen Möglichkeiten.

Und genauso ist es bei Dienstleistungsangeboten, die jedem und allen passen sollen. Auch hier ist die logische Konsequenz, dass die „Einheitsgröße“ niemandem wirklich passt und keine Bedürfnisse wirklich und richtig erfüllt. Aber, die „Einheitsgröße“ ist billig. Sie ist einfach herzustellen weil sie einer vorgefertigten Form entspricht. Sie ist Massenware. Sie bietet keine Individualität. Meistens zwickt sie sogar. Aber, sie ist billig.

Nehmen wir doch einfach einmal die Branche in der wir tätig sind – Sprachdienstleistungen – als Beispiel.

Ein guter Sprachdienstleister fängt mit einer genauen Analyse der Situation an.

Was genau braucht der Kunde? Was sind die sprachlichen Anforderungen an die Mitarbeiter? Für welche Aufgaben und Bedarfe brauchen Mitarbeiter diese Sprachkompetenz? Sind die Aufgaben der Mitarbeiter eher Routine oder sehr vielfältig? Müssen sie Meetings leiten oder lediglich daran teilnehmen? Sind die Aufgaben eher kommunikativ anzusiedeln oder eher schriftlich? Sind internationale Kontakte an der Tagesordnung? Und und und…

Mit diesen Informationen kann der Kunde dann zielorientiert und passgenau beraten werden. Ohne diese Informationen ist keine kompetente Beratung möglich.

Dann erfolgt eine individuelle Einstufung der jeweiligen Sprachlevel, keine standardisierten Tests die lediglich Grammatik und Vokabular abfragen.

Daraus lassen sich dann Ziele ableiten die genau zu den Anforderungen des Kunden passen.

Erst dann, wenn der Sprachdienstleister diese notwendigen Informationen hat, kann ein valides Angebot erfolgen, ein Angebot, das zum Kunden passt, die erforderlichen Bedarfe abdeckt und am Ende zum gewünschten Ziel führt.

Erst dann, nachdem diese Vorarbeit geleistet ist, können Trainingskonzepte entworfen werden, die auch sinnvoll und nachhaltig sind.

Erst dann kann ein(e) Sprachtrainer/in für das Training ausgesucht werden. Damit jemand eingesetzt wird der die erforderlichen Kompetenzen und die notwendige Erfahrung für diese Aufgabe besitzt. Sprachtrainer mit passendem, beruflichem Hintergrund. Sprachtrainer die angemessen ausgebildet und zertifiziert sind. Sprachtrainer, die Erfahrung haben, Methodik und Didaktik vielseitig beherrschen. Profis eben. Damit der Background passt und die Chemie stimmt.

Aber, dieses Angebot hat einen fairen Preis – der zwar günstig (weil zielführend) aber nicht „billig“ ist. Denn all diese Kompetenzen, diese Arbeit, die kosten eben Geld.

Ein weniger guter Sprachdienstleister wird ein Angebot schicken in dem Trainingskonzepte und Preise aufgelistet sind. In der Regel sind das standardisierte Pauschalangebote in Richtung: „X Stunden zu Y Preis“. „Einheitsgröße“ ist das Schlagwort.

Vielleicht erfolgt eine Beratung, die aber selten auf einer wirklichen Analyse der Bedarfe basiert, sondern lediglich die verschiedenen pauschalen Möglichkeiten auflistet – „Einheitsgröße“ eben.

Wenn eine Einstufung der Sprachlevel stattfindet, dann ist das üblicherweise mit standardisierten, schriftlichen Tests die auf Grammatik und Vokabular fokussiert sind. Diese Tests überprüfen keinen aktiven Sprachgebrauch und geben wenig valide Informationen über die realen Sprachkompetenzen. Auch sie sind charakteristisch für „Einheitsgrößen“.

Oft wird ein Trainer im Vorfeld ausgesucht, der dann möglicherweise noch eine kommunikative Einstufung vornimmt. Die wenigsten Trainer sind dafür ausreichend qualifiziert. Aber „Einheitsgröße“ – passt schon.

Häufig haben diese Trainer wenig bis keine Ausbildung als Sprachtrainer. Meistens sind sie lediglich Muttersprachler, die nach einem vorbestimmten Schema unterrichten. Unterricht nach „Einheitsgröße“…

Deswegen erhalten diese wenig qualifizierten Trainer dementsprechend niedrige Honorare. Nur so kann die billige „Einheitsgröße“ angeboten werden.

Ob der eingesetzte Trainer zu den Teilnehmenden passt, ob dessen Kompetenzen die Anforderungen des Unternehmens und der Teilnehmenden erfüllen, das ist häufig Glücksspiel.

Weil im Vorfeld wenige oder sogar keine Hausaufgaben gemacht wurden.Geschäftskultur: Passen Ihnen Einheitsgrößen? Von den Tücken der "One size fits all" Angebote

Weil die notwendigen, die essentielle Analysen und Bedarfsermittlungen nicht erfolgt sind.

Und, weil die eingesetzten Trainer in der Regel wenig bis gar nicht für die ihnen gestellten Anforderungen qualifiziert sind.

Um wirklich effektiv und zielführend zu sein muss ein Sprachtraining aber diese Vorarbeit beinhalten.

Die eingesetzten Sprachtrainer müssen qualifizierte Profis sein die ihr „Handwerk“ beherrschen.

Ein pauschales Angebot für „X Stunden zu Y Preis“ berücksichtigt weder eine Zielsetzung, noch eine Ist-Analyse, noch die eigentlichen, zu erfüllenden Bedarfe und Anforderungen.

Und genau das ist das Problem mit der „Einheitsgröße“. Das schafft kein Dienstleister mit billigen Preisen. Und das schafft natürlich auch kein „one size fits all“ Dienstleistungsangebot, egal in welcher Sparte man sich bewegt.

Die „one-size-fits-all“ Strumpfhose wird spätestens nach einem Gebrauch entsorgt. Das T-Shirt in „Einheitsgröße“ wird in die Kleidersammlung gegeben. Und das „0815“ Sprachtraining in „Einheitsgröße“ ist meistens vergeudete Zeit und verschwendetes Geld.

„One size fits all“ passt nicht wirklich, sondern es zwickt! Und ist selten von brauchbarem, dauerhaften Nutzen.

 

Mehr Interessantes, Wissenswertes und Amüsantes über Sprache und Interkulturelles finden Sie in meinem Blog: http://englisch-nach-mass.de/blog

Wenn Sie wissen möchten „Wie Sprachen lernen wirklich funktioniert“ dann schauen Sie sich doch mal unser neues Unternehmensvideo an. http://www.englisch-nach-mass.de/home

Über den Autor:

Patricia Hinsen-Rind

Englisch nach Maß® GmbH

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