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„Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird“ oder „Das Gleiche in Grün“

Patricia Hinsen-RindVon Patricia Hinsen-Rind

„Wer zuletzt lacht“: Die Geschichte von „Laubfröschen“, „Zitronen“ und einer späten „Rache“

Weitestgehend unbekannt ist die Begebenheit, die zu dem geläufigen Spruch „Das Gleiche in Grün“ führte.  Hinter der alltäglichen Floskel versteckt sich ein faszinierender Streitfall, der weniger aufgrund von „Recht“, sondern auf der Basis der damals herrschenden interkulturellen Gegebenheiten entschieden wurde. Und der fast 100 Jahre später noch eine Art gerechten Abschluss erhält.

Im Jahr 1924 produzierte Opel ein neues Automobil.  Es war das erste in Deutschland am Fließband gebaute Auto. 6 Jahre zuvor war der erste Weltkrieg mit einem schwierigen Frieden beendet worden. Der Vertrag von Versailles wurde von den Deutschen als tiefes Unrecht empfunden. Die Reparationszahlungen waren eine gewaltige Belastung für Deutschland.  Die Beziehung zum „Erbfeind Frankreich“ war höchst prekär, auf beiden Seiten von tiefer Feindschaft, sogar regelrechtem Hass geprägt. Denkbar schlechte Voraussetzungen für interkulturelle Toleranz.

Zu diesem Zeitpunkt, in diesem geladenen Klima, wurde also diese technische Errungenschaft Opels präsentiert.  Der Opel 4/12 PS war ein absolutes Luxusobjekt. Ein grün lackierter Flitzer zum stolzen Preis von 4500 RM (Rentenmark). Um die Relation herzustellen:  Für diesen Kaufpreis konnte man 1924 ein Eigenheim erwerben

Es handelte sich um ein sehr ungewöhnliches Automobil, war er doch klein und grün anstatt, wie üblich, groß und schwarz. Heute kaum nachvollziehbar, gab es 1924 keine Farbauswahl bei dem jeweiligen Autotyp (Zitat Henry Ford: „Any customer can have a car painted any color that he wants so long as it is black.“).

Das schicke hochmoderne Fahrzeug, der Opel 4/12 PS war also grün. Und das führte schnell dazu, dass der Volksmund ihm den Spitznamen „Laubfrosch“ verpasste.

Leider gab es ein großes Problem mit dem „Laubfrosch“.  Das flotte Gefährt hatte einen gravierenden Makel. Das gesamte Design des Automobils war gestohlen!  Opel hatte das gesamte Design, wirklich alles, des Opel 4/12 PS von Citroën geklaut.  Das komplette Fahrzeug war ein Plagiat des Citroën 5 CV.

Der Citroën wurde ab 1922 produziert.  Auch er hatte einen Spitznamen, und zwar: „Zitrone“. Citroëns „Zitrone“ bzw. Opels „Laubfrosch“ waren quasi Zwillinge. Es gab eine einzige, kleine, kaum sichtbare, bauliche Abweichung am Kühlergrill des Opels. Aber, da war ja noch DIE FARBE!!!!!!  Die war natürlich ganz anders.  Grün anstatt gelb.

Natürlich fand Citroën diesen Diebstahl alles andere als lustig und das Resultat war eine Klage gegen Opel.  Diese Klage fiel in die Zuständigkeit der deutschen Justiz.  Die Verhandlung fand also vor deutschen Gerichten statt. Und die deutsche Gerichtsbarkeit hatte eine sehr überraschende Auffassung des Wortes „Plagiat“.

Trotz der Baugleichheit zwischen „Laubfrosch“ und „Zitrone“ entschied die deutsche Justiz, dass die Farbe (und die minimale Abweichung am Kühler) ein hinreichender Gegensatz zwischen den Autos sei. Die grüne Lackierung war für das Gericht zur Abweisung der Klage ausreichend.

Natürlich wurde damals nicht das geklaute Design verhandelt, sondern die komplizierten Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland. Das Urteil war mehr oder weniger eine Rache Deutschlands an Frankreich. In Hinblick auf die Vorgeschichte wird schnell deutlich, dass es hier kaum darum ging ob das geistige Eigentum einer französischen Firma aus deutscher Sicht schützenswert sei.  Oder, ob ein deutsches Unternehmen einfach ein französisches Produkt plagiieren durfte. Die deutsche Justiz fand es damals absolut in Ordnung, dass sich Opel des geistigen Eigentums Citroëns bediente.

Ein unerwartetes, irgendwie gerechtes, Nachspiel ergibt sich jetzt, beinahe 100 Jahre später.  Ein Nachspiel, dessen Existenz sich die Hauptakteure vielleicht gar nicht bewusst sind. Ist doch gerade die Übernahme von Opel durch Citroën bzw. Peugeot Citroën gerade in Planung.  Eine freundliche Übernahme, von beiden Seiten erwünscht.  Partner statt Widersachern. Eine Entwicklung, die durchaus als Happy End, herbeigeführt durch die Globalisierung bezeichnet werden kann.

„Das Gleiche in Grün“ – vier kleine Worte, eine spannende Geschichte!

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Patricia Hinsen-Rind

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