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Angst vor der Wahrheit? Die Reichweiten-Messung von Jobbörsen

Gerhard Kenk

Von Gerhard Kenk, Crosswater Job Guide.

Mit SimilarWeb.com betritt ein neuer Anbieter von Reichweiten-Messverfahren die Bühne und sorgt für Aufsehen.

Die Messung der Reichweite von Jobbörsen scheint allenthalben so schwierig zu sein wie die Quadratur des Kreises. Doch trotz aller Schwierigkeiten ist es nahezu unerlässlich, sinnvolle und öffentlich verfügbare Reichweitenzahlen zu haben, denn nach wie vor sind sie ein wichtiger „Key Performance Indicator“. Die Anzahl der publizierten Stellenanzeigen, die Reichweite sowie die Höhe des potentiellen Brutto-Monatsumsatzes sind die drei wichtigsten Leistungsdaten, um Jobbörsen innerhalb ihrer Zielgruppe miteinander vergleichbar zu machen.

Wenn ein Arbeitgeber eine Stellenanzeige für gutes Geld bei den Jobbörsen dieses Landes veröffentlicht, erwartet er, dass diese Stellenanzeige von Bewerbern gelesen wird und dass bei Interesse eine Bewerbung eingereicht wird. Deshalb ist das Verhältnis der publizierten Stellenanzeigen zu der erzielten Reichweite einer Jobbörse eine Grundprämisse für ein gut funktionierendes Geschäftsmodell.

Und genau darauf kommt es für Bewerber und Arbeitgeber bei der Auswahl der richtigen , d.h. leistungsstarken Jobbörse an. Wo finden Bewerber im Dschungel der Jobportale die für sie karriererelevanten Stellenausschreibungen, wo sollen Recruiter Stellenanzeigen schalten, um ihre bevorzugte Zielgruppe ohne wesentliche Streuverluste zu erreichen?

Vor dieser Herkules-Aufgabe haben einige Recruiter kapituliert – sie nutzen die Dienstleistungsangebote von Medienagenturen, buchen Stellenanzeige-Pakete oder vereinbaren Rahmenverträge mit den Jobbörsen ihrer Wahl. Bewerber hingegen stehen öfters ganz hilflos dar, wenn es um die Wahl der Jobbörsen geht. Natürlich kann Google immer eine erste Anlaufstelle bei der Jobsuche sein, doch welcher Bewerber bringt die Zeit und Geduld auf, die lange Trefferliste der organischen Suche wirklich durchzublättern? Ein Zyniker der digitalen Werbewirtschaft bemerkte einmal ganz treffend: „Der beste Ort, eine (digitale) Leiche zu verstecken, ist auf der dritten Seite der Google-Trefferliste“.

Leistungskennzahlen: Angst vor der Wahrheit?

Die wohl schwierigste Leistungskennzahl ist der Umsatz einer Jobbörse. Nur wenige Jobbörsen weltweit sind als Aktiengesellschaft börsennotiert und müssen demzufolge keine Bilanzen oder Gewinn- und Verlustrechnungen publizieren. Wer sich beispielsweise die Quartalsergebnisse von Monster Worldwide, einer US-börsennotierten Jobbörse anschaut, wird feststellen, dass die Bereichsergebnisse so stark konsolidiert sind und sich somit einer Einzelanalyse entziehen. Auch in Deutschland werden Schwierigkeiten aufgetürmt, um diese Transparenz zu verhindern. Beispiel Jobware: Diese klassische Jobbörse, seit langem am Markt etabliert, gehört zu 100% zur Medien-Union in Ludwigshafen. Eine Abfrage bei der Webseite „Bundesanzeiger“ schürt anfänglich Hoffnungen, erscheinen doch bei der Suche nach „Jobware“ 19 vielversprechende Treffer. Doch schon bei der Einzelanzeige des aktuellsten Geschäftsberichts wird die Hoffnung im Keim erstickt:

Amtsgericht Paderborn, HRB 2772

Mit Gesellschafterbeschluss vom 26.01.2015 hat die alleinige Gesellschafterin Medien Union GmbH Ludwigshafen, Ludwigshafen am Rhein, der Befreiung der Jobware Online-Service GmbH von der Anwendung der Vorschriften des Dritten Buches, Zweiter Abschnitt, Erster und Vierter Unterabschnitt HGB nach § 264 Abs. (3) HGB für das Geschäftsjahr 2014 zugestimmt.

Der Jahresabschluss 2014 der Gesellschaft wird in den Konzernabschluss 2014 der Medien Union GmbH Ludwigshafen, Ludwigshafen am Rhein, einbezogen, der zum elektronischen Bundesanzeiger eingereicht wird.

Die Medien Union GmbH Ludwigshafen übernimmt entsprechend § 302 des Aktiengesetzes aufgrund des abgeschlossenen Ergebnisabführungsvertrages die etwaigen Verluste des jeweiligen Geschäftsjahres.

Allerdings gibt es auch Ausnahmen. So publiziert HORIZONT in der Ausgabe 3/2016 Kennzahlen von Axel Springer („Axel Springer ist der führende digitale Verlag in Europa“). Wir erinnern uns:

Axel Springer und General Atlantic starteten ihre strategische Partnerschaft im Frühjahr 2012 mit der Gründung von Axel Springer Digital Classifieds. Zu Beginn umfasste das neue Joint Venture das führende französische Immobilienportal SeLoger, das deutsche Immobilienportal Immonet und die europäische Jobbörse StepStone. Die vorhandenen Angebote wurden in einer eigenständigen Gesellschaft konsolidiert. Kombiniert mit der Expertise von General Atlantic, konnte Axel Springer das Geschäft im attraktiven Segment der digitalen Rubrikenangebote als Teil der Digitalisierungs- und Internationalisierungsstrategie gezielt ausbauen. Ziel der Partnerschaft war es, Möglichkeiten für schnelles Wachstum und weitere Internationalisierungsschritte zu schaffen, indem Angebote in einer Gesellschaft mit sehr guter Kapitalausstattung gebündelt wurden. Das Portfolio wurde in den vergangenen Jahren ausgebaut und um weitere Stellenportale (wie Totaljobs, Saongroup, YourCareerGroup, Jobsite und Drushim), Immobilienportale (wie Immowelt und Immoweb), das Regionalportal meinestadt.de, das Autorubrikenportal LaCentrale und das führende israelische Rubrikenportal Yad2 erweitert. Nahezu alle Rubrikenportale im Portfolio von Axel Springer Digital Classifieds sind Marktführer in ihrem jeweiligen Segment.
(Quelle: Pressemeldung von Axel Springer)

2012 2013 2014
Gesamtumsatz in Mio. Euro 2.373,30 2.801,40 3.037,90
Anteil digitale Medien in % 42,4 47,5 53,2
Ebitda-Rendite gesamt in % 18,2 16,2 16,7
Ebitda-Rendite digitale Medien in % 49,4 62 72,1
(Quelle: Axel Springer, HORIZONT 3/2016)

Somit bleiben die Anzahl der publizierten Stellenanzeigen und die erzielte Reichweite (Anzahl monatliche Besucher) als Leistungskriterien übrig. Obwohl die Anzahl der Stellenanzeigen eigentlich eine Soll-Information ist, gibt es trotzdem eine Reihe von schwarzen Schafen unter den Jobbörsen, die diese gewünschte Transparenz zu Gunsten ihrer Nutzer mit Füßen treten. Ein aktuelles Beispiel ist die neu gegründete Jobsuchmaschine 100000jobs.ch in der Schweiz. Hier gab es Anfang Januar 2016 einige Inkonsistenzen bei der Ermittlung der Gesamtzahl der verfügbaren Stellenanzeigen.

  • Bei der Abfrage nach Anstellungsart erscheint die Meldung „Wir haben für Sie über 100.000 Jobs gefunden….“
  • Bei der Einzel-Abfrage nach Regionen (Ostschweiz usw.) werden in der Summe insgesamt 61.746 Jobs ermittelt
  • Bei der Abfrage nach Firmengröße kommen in der Summe 34.641 Stellenanzeigen zusammen.

Vielleicht gehen die Nutzer dieser neuen Jobsuchmaschine in ihrer Naivität davon aus, dass die „Buchhaltung stimmt“, d.h. dass Abfragen nach der Gesamtmenge nach unterschiedlichen Kriterien (Anstellungsart, Region oder Firmengröße) zu gleichen Ergebnissen kommen. Die Macher der Jobsuchmaschine 100000jobs.ch aus der Ricola-Republik halten offensichtlich nur wenig davon, die vielgerühmte „Schweizer Präzision“ auch bei Datenbank-Abfragen umzusetzen. Aber das ist kein isoliertes Schweizer Symptom, auch in Deutschland finden sich auch einige schwarze Schafe unter den Jobbörsen, die sich einer Mindesttransparenz entziehen.

Reichweiten-Messungen – eine Notwendigkeit?

Es gibt Dinge im Leben, die nach Glaubhaftigkeit verlangen, um einen Nutzen für den Konsumenten zu untermauern. Der Tacho-KM-Stand eines Gebrauchtwagens, die betrugsverdächte Handelsplattform „Autobahn“ der Deutschen Bank, die LIBOR-Referenzzinssätze, frisierte Bankbilanzen oder getürkte CO2-Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen – die Liste könnte unendlich lang werden. Im Medien-Geschäft gilt schon seit Ewigkeiten die „verkaufte Auflage“ bei Printtiteln zu den wichtigsten Kennzahlen überhaupt, bei Online-Medien übernimmt die Reichweite, d.h. die Anzahl der monatlichen Besucher diese Rolle. Das gleiche gilt für Jobbörsen, deren Reichweite ein wichtiges Erfolgs- und Leistungskriterium ist.

Jeder kompetente Webmaster sorgt dafür, dass die Reichweite seines Portals gemessen wird. Als Standard-Werkzeug wird hierzu häufig Google Analytics eingesetzt, auch komplexe Messverfahren werden von Medienportalen entwickelt und eingesetzt. Allerdings werden diese Zahlen nur der Öffentlichkeit offenbart, wenn sie denn wirklich beeindruckend sind. Andernfalls bleiben sie in den Schubladen der Jobbörse und dringen nicht nach außen.

Bühne frei für öffentliche Reichweiten-Messungen

Anbieter von öffentlichen und kostenfreien Reichweiten-Messung sind rar.

picture_Reichweiten_Messung_P1080979

IVW

In Deutschland bietet IVW (Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V.) eine Messung der Reichweite an, Ergebnisse sind öffentlich einsehbar, aber seitens der Medien-Portale wird eine kostenpflichtige Mitgliedschaft vorausgesetzt. Demzufolge hat sich das Messverfahren – im Gegensatz zu Medienportalen – im Jobbörsen-Sektor so gut wie überhaupt nicht eingebürgert.

Das IVW-Verfahren stammt aus der Zeit des vorigen Jahrhunderts, als die (Print-) Medienwelt noch in Ordnung waren. Ursprünglich dazu gedacht, die Anzahl der verkauften Exemplare eines Print-Titels zu ermitteln, wurde das IVW-Verfahren auch auf Online-Medien ausgeweitet und ermittelt anhand eines sogenannten „Zähl-Pixels“ (ein Java-Code-Snippet, das in jede zu zählende Seite eines Webportals eingefügt wird), wieviel monatliche Besucher eine Webseite aufgerufen haben.

Während das IVW-Messverfahren eigentlich technisch grundsolide ist, liegt die Krux jedoch darin, dass die Teilnahme kostenpflichtig ist. Das hindert viele Webseitenbetreiber an der kostenträchtigen Teilnahme – die Folge ist eine eher lückenhafte Abdeckung der Online-Portale.

Lediglich eine Handvoll Jobbörsen, nämlich Stepstone, Kalaydo, Kimeta, meinestadt, CESAR, Stellen-Online oder autojob unterziehen sich dem strikten Messverfahren.

Alexa

Ganz anders ist der Ansatz des Messverfahrens von Alexa, einer Tochtergesellschaft von Amazon. Jede Webseite wird gemessen, ob der Webseitenbetreiber es will oder nicht. So finden die Traffic-Zahlen von über 30 Millionen Webseiten Eingang in das Messverfahren. Allerdings werden nicht die tatsächlichen Reichweitenzahlen publiziert, sondern es wird ein ein relatives Ranking ermittelt. So hat Google beispielsweise ein Alexa-Ranking von 1, Facebook kommt auf ein Ranking von 2 und die Jobbörse der FAZ (FAZjob.net) kommt im internationalen 3-Monats-Durchschnitt auf 238.537. Also: je niedriger das Alexa-Ranking ist, desto reichweitenstärker ist das betreffende Web-Portal.

Es ist offensichtlich, dass sinnvollerweise das Alexa-Ranking nur bei Webportalen der gleichen „Peer-Gruppe“ verglichen werden sollte: Google und BING, VW und BMW, Stepstone und Monster oder Ingenieurkarriere.de mit Ingenieurweb.de.

SimilarWeb

Seit über einem Jahr ist nun ein neuer „Shooting Star“ am Himmel der Reichweiten-Messungen aufgetaucht: Unter dem Namen „SimilarWeb“ liefert ein Startup aus Israel vielleicht die entscheidenden Zahlen, die sehnlichst vermisst wurden.

SimilarWeb (www.similarweb.com) misst den Internet-Traffic aller Domains nach URL und veröffentlicht die Anzahl der monatlichen Besucher sowie ein Chart über den Reichweiten-Trend der letzten 6 Monate.

SimilarWeb doesn’t rely on any single channel for data collection. We work with a wide variety of sources to create the most accurate and reliable picture of the digital world. All of this data is fed into SimilarWeb’s data processing servers where we turn billions of daily data points into insightful information.

Our data comes from 4 main sources: 1) A panel of over 200 million monitored devices, currently the largest panel in the industry. 2) Local internet service providers (ISPs) located in many different countries. 3) Our web crawlers that scan every public website to create a highly accurate map of the digital world, and 4) Hundreds of thousands of direct measurement sources from websites and apps that are connected with us directly. This last source of data helps us to constantly improve our learning set, fine tune our algorithms and reach accurate estimations about traffic stats for ALL websites and mobile apps.

SimilarWeb spent several years building the data collection infrastructure and refining the data collection processes before launching. We are confident that we offer the most accurate and unbiased data covering the digital world. (Quelle: SimilarWeb)

Das Beispiel Jobware bei SimilarWeb

Eine direkte Abfrage bei SimilarWeb nach der Domain www.jobware.de liefert per Ende Dezember 2015 die folgende Übersicht:

chart_similarweb_Reichweite_Jobware_2015_12

Daraus ist ersichtlich, dass die monatliche Reichweite (Anzahl Visitors) per Ende Dezember bei 170.000 lag. Die Halbjahres-Entwicklung der Reichweite wird als Graphik dargestellt. Es zeigt sich, dass die monatliche Reichweite seit Juli 2015 zurückgegangen ist – eine für Jobbörsen typische Entwicklung, denn der Monat Dezember ist eine der schwächsten Monate bezhogen auf den Besucher-Traffic.

Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Verteilung der Reichweite auf die einzelnen Quellen. Jobware verzeichnet bei Direktaufrufen 43%, bei Suchbegriffen sind es 44% des gesamten Traffics. Referrals – also Besuche von Partner-Seiten mit Links zu Jobware – haben einen Anteil von knapp 10%, während Social Media mit 1.1% des Traffic-Anteils eine ziemlich untergeordnete Rolle spielt. Der Anteil der Direktaufrufe wird unmittelbar durch den Bekanntheitsgrad einer Jobbörse beeinflusst, der Search-Anteil entspricht der Fleißarbeit der SEO-Aktivitäten. Referrals entsprechen dem Grad der Link-Vernetzung mit Kooperationspartnern, und dieser relativ hohe Anteil reflektiert das Geschäftsmodell von Jobware, Partner-Medien in das Publikations-Netzwerk für Stellenanzeigen einzubinden.

Das Problem der Genauigkeit – ein Vergleich

Natürlich erhebt sich bei jedem Messverfahren die Frage nach der Genauigkeit der ermittelten Zahlen. Anhand einer Stichprobe lassen sich die gängigen drei Messverfahren (IVW, ALEXA und SimilarWeb) gegenüberstellen.

Diese Stichprobe (mit den Reichweitenzahlen für Dezember 215) enthält einige reichweitenstarke Medienportale sowie Jobportale, die nach allen drei Verfahren (IVW, SimilarWeb und Alexa) gemessen werden.

Nachtrag zur Vergleichsmethode:
Die Zahlen von SimilarWeb beziehen sich auf den Desktop-Traffic ohne Mobile Nutzung. Die Zahlen von IVW beziehen sich auf die Anzahl der online Visits ohne Mobile oder Apps. Siehe auch: http://ausweisung.ivw-online.de/index.php?i=1161&a=o29157. 

Im Falle von Stepstone verteilen sich die Dezember-Visits wie folgt:

  • Online Visits:          6.895.244
  • Mobile Visits:          3.466.245
  • Smartphone Apps:     787.190
  • Gesamt Visits:       10.148.679
WebPortal IVW IVW % SimilarWeb SimW % Alexa Alexa %
Bild.de 150.388.458 100,0 49.100.000 80,8 368 94,6
Spiegel Online 105.772.424 70,3 60.800.000 100,0 348 100,0
Focus.de 65.561.110 43,6 33.400.000 54,9 686 50,7
Welt.de 43.292.593 28,8 26.900.000 44,2 970 35,9
Zeit.de 30.962.678 20,6 17.700.000 29,1 1.674 20,8
Süddeutsche 29.106.963 19,4 17.100.000 28,1 1.575 22,1
FAZ.net 27.286.186 18,1 35.800.000 58,9 1.721 20,2
Stern.de 16.427.768 10,9 11.600.000 19,1 2.242 15,5
handelsblatt 14.166.259 9,4 5.800.000 9,5 4.841 7,2
meinestadt 9.809.553 6,5 5.500.000 9,0 3.459 10,1
Stepstone 6.895.244 4,6 3.900.000 6,4 4.891 7,1
manager-magazin 5.320.751 3,5 1.800.000 3,0 13.736 2,5
Kalaydo 3.009.283 2,0 1.800.000 3,0 10.128 3,4
Kimeta.de 1.338.551 0,9 990.000 1,6 18.817 1,8
stellen-online.de 73.622 0,0 30.000 0,0 277.999 0,1
CESAR 39.419 0,0 25.000 0,0 517.205 0,1
autojob.de 27.602 0,0 10.000 0,0 1.080.154 0,0

Lesebeispiel:

In der obigen Stichprobe erzielt ZEIT Online nach den Messungen von IVW 21% der Reichweite von Bild.de, nach den Messungen von SimilarWeb beträgt der Abstand zum reichweitenstärksten Medienportal (Spiegel.de) 29 Prozent, nach den Messungen von Alexa liegt ZEIT Online 21% hinter dem Marktführer zurück. Die relativen Abstände (IVW 20,6%, SimilarWeb 29,1 und Alexa 20,8%) liegen also in etwa auf der gleichen Wellenlänge.

chart_Reichweitenvergleich_in_prozent_2015_12

Ein Vergleich der prozentualen Abweichungen zeigt auf, dass die relativen Abstände zwischen den gemessenen Webportalen relativ gut korrelieren, mit Ausnahme der statistischen Ausreißer FAZjob.net sowie Bild.de und Spiegel Online.

Ein Vergleich zwischen den IVW-Messungen und den von SimilarWeb ermittelten Zahlen der monatlichen Reichweite (Visitors) ergibt bei dieser obigen Stichprobe folgende Abweichungen:

WebPortal IVW SimilarWeb Abweichung %
Bild.de 150.388.458 49.100.000 -33
Spiegel Online 105.772.424 60.800.000 -57
Focus.de 65.561.110 33.400.000 -51
Welt.de 43.292.593 26.900.000 -62
Zeit.de 30.962.678 17.700.000 -57
Süddeutsche Zeitung 29.106.963 17.100.000 -59
FAZ.net 27.286.186 35.800.000 131
Stern.de 16.427.768 11.600.000 -71
handelsblatt 14.166.259 5.800.000 -41
meinestadt 9.809.553 5.500.000 -56
Stepstone 6.895.244 3.900.000 -57
manager-magazin 5.320.751 1.800.000 -34
Kalaydo 3.009.283 1.800.000 -60
Kimeta.de 1.338.551 990.000 -74
stellen-online.de 73.622 30.000 -41
CESAR 39.419 25.000 -63
autojob.de 27.602 10.000 -36

Die obige Tabelle zeigt auf, dass es eine erhebliche Schwankungsbreite im Vergleich IVW zu SimilarWeb gibt, die Differenzen weichen von 33% bis zu 74% ab, der statistische Ausreisser ist die Jobbörse der FAZjob.net.

Anzahl Stellenanzeigen und Reichweite: Zwei Königskinder als KPI

Kriterien müssen immer miteinander in den Zusammenhang gestellt werden: Die Anzahl der publizierten Stellenanzeigen sowie die monatliche Reichweite.

Beispiel 1:
Jobbörse Anzahl Stellenanzeigen Monatliche Reichweite (Visitors)
Stepstone 57498 4600000
Monster 29461 2000000
Prozent 51,2 43,5
Beispiel 2:
Jobsuchmaschine Anzahl Stellenanzeigen Monatliche Reichweite (Visitors)
Kimeta 1839336 1400000
Jobbörse.com 2707597 70000
Prozent 147,2 5,0
Beispiel 3:
Jobbörse Anzahl Stellenanzeigen Monatliche Reichweite (Visitors)
Efinancialcareer 10380 20000
Bankjob24.de 515836 1
Prozent 4969,5 0,0

Ein Leistungsvergleich zwischen Stepstone und Monster zeigt auf, dass Monster bei Stellenanzeigen etwa 51% von Stepstone erzielt, bei der Reichweite sind es etwa 43,5%. Dies zeigt auf, dass das Verhältnis Stellenanzeigen zu Reichweite bei diesen beiden Jobbörsen in etwa im Rahmen liegt.

Im zweiten Beispiel werden die Jobsuchmaschinen Kimeta und Jobbörse.com (ehemals iCjobs.com) gegenübergestellt. Zwar hat Jobbörse.com beachtlich mehr Stellenanzeige in der Datenbank, jedoch klaffen die Reichweitenzahlen stark auseinander. Kimeta verzeichnet 1.4 Millionen monatliche Besucher, während Jobbörse.com lediglich auf 70.000 Besucher kommt.

Ganz entlarvend ist die Gegenüberstellung von Spezialjobbörsen im Finanzsektor. Efinancialcareers, eine Tochterjobbörse von DICE Holdings, publiziert 10.380 Stellenanzeigen und verzeichnet eine monatliche Reichweite von 20.000 Besuchern. Bankjob24.de hingegen publiziert 515.836 Stellenanzeigen, jedoch ist die Reichweite so verschwindend gering, dass man sie mit dem Fernglas kaum erkennen kann. Hinzu kommt, dass Bankjob24 alles andere als eine Spezialjobbörse für die Zielgruppe Banken ist. Bei Bankjob24 finden sich nämlich unter den vielen Stellenanzeigen auch ein Angebot für einen „Demichef Bankett“. Die Stellenausschreibung hat so gut wie nichts mit Banken zu tun, sondern ist ein Angebot aus dem Hotel- und Gaststättenbereich. Und das ist keine Ausnahme.

Einen Überblick der Jobbörsen nach Reichweite und Anzahl Stellenanzeigen finden Sie im Crosswater-Jobbörsen-Verzeichnis.

Fazit

  • Mit SimilarWeb bekommen die etablierten Reichweiten-Messagenturen wie IVW oder Alexa einen zusätzlichen Wettbewerb, der letztlich über die Qualität, d.h. die Genauigkeit der Zahlen ausgetragen wird.
  • Im Recruiting spielt IVW keine nennenswerte Rolle, denn nur eine Handvoll Jobportale sorgen als Mitglied dafür, dass ihre Reichweitenzahlen gemessen werden.
  • Newcomer SimilarWeb hat noch ein Genauigkeitsproblem, welches sich zukünftig wohl verbessern dürfte. Dazu wird beitragen, dass Webmaster ihr internes Google Analytics Zahlenwerk für das Messverfahren von SimilarWeb zur Verfügung stellen können.
  • Alexa ist von der Verbreitung weltweit her gesehen das wohl umfassendste Messverfahren. Allerdings ist das Ranking-Verfahren ein erklärungsbedürftiges Produkt. Die Ranking-Zahlen lassen sich nicht ohne weitergehende Analyse problemlos mit der Reichweite bzw. Anzahl der monatlichen Besucher vergleichen.

Es bleibt abzuwarten, wann und wie SimilarWeb eine starke Marktdurchdringung erreicht. Schon jetzt stellt SimilarWeb ein umfangreiches Zahlenmaterial zur Verfügung, das eine gute Grundlage für Reichweiten-Vergleiche ist. Nach wie vor ist die Reichweite eines Jobportals (monatliche Besucher) ein wichtiger Key Performance Indikator – in Verbindung mit der Anzahl publizierter Stellenanzeigen.

Jedoch gibt es keine ideale Welt der Jobbörsen-Performance-Messung – dazu steckt der Teufel zu stark im Detail und dürfte problemlos zu einer abendfüllenden Diskussion unter Experten führen. Ausnahmen und Einschränkungen müssen bei Vergleichen erkannt und berücksichtigt werden, um zu verlässlichen Aussagen zu kommen. Doch am Ende des Tages gilt: Die Zahlen lügen nicht – es wird allerdings immer etwas geschummelt.

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Autor:

Gerhard Kenk

Von Gerhard Kenk, Crosswater Job Guide.

Mail: gerhard.kenk@crosswater-job-guide.com
http://crosswater-job-guide.com

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