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Examensvorbereitung / Übung Zivilrecht: Mietrecht, Untermietverträge – Fallbeispiel

Christina Diegel

Research Associate, Stud. Iur., ingeniam Executive Search, Frankfurt am Main

Man sollte vor dem Examen bekanntermaßen mindestens 100 Fälle gelöst haben.

Davon „inspiriert“ biete ich allen Interessierten gerne an, an folgendem selbst fingiertem Fall, der mich am Wochenende beschäftigt hat, einmal zu rätseln – die Lösung kommt dann in den nächsten Tagen. Ziel des Falles ist, sich einfach noch einmal mit aktueller Rechtsprechung zum Thema Untervermietung und daneben mit einfachen, aber leicht vergessenen ZPO-Kenntnissen auseinanderzusetzen.

Sachverhalt

Zwischen Vermieter A und Mieter B besteht seit Anfang des Jahres ein Mietverhältnis. Als B, der den Mietvertrag mangels juristischer Kenntnisse ohne weiteren Augenschein zu nehmen schleunigst unterschreibt, ist das Verhältnis beider Parteien zueinander noch in harmonisch.

Nach kurzer Zeit und einem Hype um ein neues Online-Angebot kommt B, der sich unterdessen als vielbeschäftigter Geschäftsmann auf großer Reise befindet, auf die Idee, zur Kostenersparnis seine Wohnung im schönen München für die Dauer seiner mehrwöchigen Reisen unterzuvermieten. Er geht davon aus, die Wohnung selbst im Zweifel höchstens zwischen seinen Reisen zwecks Abholung privater Dinge noch einmal betreten zu müssen.

So findet er über besagte Online-Plattform am 01.03.2014 den C, der sich bereit erklärt, die Wohnung im Rahmen seiner Geschäftstätigkeit in München gegen eine Pauschale von 1.000,- € von B zu übernehmen. Beide vereinbaren per Whatsapp, da B sich weiterhin geschäftlich im Ausland aufhält, B solle am 01.04.2014 einziehen und sich den Schlüssel von der Tante Bs, die zugleich Familienangehörige dessen ist, abholen. Das Geld solle er bitte bei seiner Abreise auf das Konto des B überweisen. Auch habe er, so teilt B ihm mit, die Wohnung in einem sauberen und ordentlichen Zustand zu hinterlassen. Ferner erklärt er, ein Raum der Wohnung dürfe nicht genutzt werden und sei auch nicht Bestandteil des Mietraums, er sei zwecks privater Sachen des B verschlossen und bliebe dies auch. C zieht wie vereinbart am 01.04.2014 ein.

Nach einem Monat, am 01.05.2014 verlässt C die Wohnung. Als B diesen kontaktiert und darauf hinweist, er habe nach wie vor keinen Mietzins erhalten, ignoriert C dessen Warnung.

Erbost kehrt B von seiner Geschäftsreise nach München zurück und möchte die ausstehende Mietzahlung von C verlangen. Verunsichert stellt er bei Begutachtung seiner Unterlagen fest, dass sein Mietvertrag mit A eine Klausel enthält, die ihm die Untervermietung untersagt. B sieht seinen Mietzinsanspruch in Gefahr. Gleichzeitig mischt sich nun auch der Vermieter des B ein, der mittlerweile durch Nachbarn von der nicht erlaubten Untervermietung erfahren hat und wittert einen „entgangenen Gewinn“ aus dem neuen Mietverhältnis. Er hat zwar kein Interesse daran, den B aus der Wohnung zu werfen, sehr wohl aber an einer Beteiligung an dem erlangten Mietzins durch die Untervermietung an den C. Hilfsweise möchte er geltend machen, nachdem er von dem getürmten C erfährt, dass der Anspruch von B an C ja eigentlich ihm zustünde. Er hält den C für durchaus auffind- und das Geld für eintreibbar.

Frage 1:

Wie beurteilen Sie die Rechtslage?

Frage 2:

B ist dank seiner vielen Reisen zwar nicht knapp bei Kasse, wohl aber ist seine Zeit sein Kapital und er möchte dieses nicht für einen Anwalt aufwenden. Er fragt, ob er selbst seinen Anspruch ohne die Einschaltung eines Rechtsbeistandes durchsetzen kann. Welches ist der prozessrechtlich praktikabelste Weg für B?

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