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Immobilien und Omas Tischwäsche – Private Veräußerungsgeschäfte im deutschen Steuerrecht

Martin Sauer

Director International Tax, Steuerberater, Dipl. Kaufmann, Ruf und Schlenker, Emmendingen
Schreibt auf seinem Blog www.sauer-steuerberatung.de launige Artikel über steuerliche Themen.

Häuslebesitzer, die sich mit dem Gedanken tragen, Ihr Heiligstes zu verkaufen, kennen vielleicht diese Situation: Der Steuerberater zieht das Gesicht in Falten und fragt, wann denn diese Immobilie angeschafft wurde; und ist erleichtert, wenn sich herausstellt, dass das schon ewig her ist – nämlich mehr als zehn Jahre.

Für Veräußerer, die die Immobilie kürzer als 10 Jahre besessen haben und diese nicht selbst bewohnt haben wird’s eng! Es liegt dann meist ein sog. privates Veräußerungsgeschäft vor – und das ist in Deutschland steuerpflichtig!

Bei rasant wachsenden Immobilienpreisen wahrlich kein Vergnügen. 

Gilt das für alle “Privatgegenstände”? Also auch für die Versteigerung von Oma’s gesammelter Tischwäsche über Ebay?

Sinn und Zweck privater Veräußerungsgeschäfte soll es nach Auslegung unseres obersten Finanzgerichts (BFH) sein, Werterhöhungen aus verhältnismäßig kurzfristigen Wertdurchgängen zu besteuern. Es wird davon ausgegangen, dass Gegenstände, die im Privatbereich veräußert werden, kein Wertsteigerungspotential haben. Sie sind somit von der Besteuerung ausgenommen.

Der deutsche Gesetzgeber hat im § 23 EStG definiert, welche Transaktionen Gegenstand von privaten Veräußerungsgeschäften werden können. Aktuell gibt es zwei Grundfälle: zum einen Immobilien und zum anderen Wirtschaftsgüter, die nicht Gegenstand des täglichen Gebrauchs sind. Somit ist festzustellen: des eigenen Stauraums zuliebe kann Oma’s altgediente Tischwäsche getrost über Ebay versteigert werden, ohne dass das Finanzamt hier zugreift.

Im Klartext: wer sein Geld in Immobilien anlegen möchte um die steigenden Immobilienpreise zur Vermehrung desselben zu nutzen, muss damit rechnen, dass er diesen Gewinn mit Vater Staat teilen muss. Es sei denn, der geneigte Immobilieneigentümer behält die Immobilie für einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren oder er bewohnt die Immobilie selbst. Im Bereich der „anderen Wirtschaftsgüter des nichtalltäglichen Gebrauchs“ beträgt die Haltefrist sogar nur ein Jahr.

Vorsicht ist allerdings geboten, wann ein Wirtschaftsgut dem alltäglichen Gebrauch dient. Ein marktübliches KfZ gehört zweifelsfrei in den Alltag. Aber bei Oldtimern ist dies nach Auffassung des Fiskus schon nicht mehr der Fall. Wer also bspw. Kunstgegenstände, Antiquitäten, Schmuck oder hochwertige Arbeitsmittel innerhalb der Jahresfrist veräußern will, muss aufgrund des hier vorliegenden Wertsteigerungspotentials mit der Steuerbarkeit rechnen.

Und die Moral von der Geschicht‘: Mal ist’s privat, mal ist’s das nicht!

Also vorher prüfen (lassen).

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