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Neujahrsvorsätze – Warum sie nicht funktionieren

1. Prost Neujahr!

Mit Neujahrsvorsätzen ins neue Jahr zu starten gehört einfach dazu. Es gibt immer etwas zum Besseren zu ändern, zu optimieren. Gesundheit, Familie, Beruf – in jedem Bereich unseres Lebens könnte etwas schneller laufen, einfacher oder zumindest irgendwie mehr Spaß drin sein. Und die paar freien Tage zwischen den Jahren verbunden mit dem Sartschuss zum Prost Neujahr scheinen die perfekte Grundlage dafür zu bilden, nun endlich diese Dinge mal zu benennen und gleich morgen die Ärmel hochzukrämpeln.

2. Anwaltliche Neujahrsvorsätze

So starten auch wir Anwälte mit guten Vorsätzen ins neue Jahr: manche nur mit einem oder zwei, andere mit einer ganzen Liste. Manches darauf noch vom vorigen Jahr. Regelmäßig und ungefragt werden wir dafür von vermeintlichen Experten mit gut gemeinten Ratschlägen bombardiert: Formulieren Sie die Vorsätze positiv, eindeutig und motivierend! Stecken Sie konkrete Zeitziele für die Umsetzung! Halten Sie nach…

Aber HE: Wir sind ja selbst Experten! Als Anwälte regeln wir die Dinge unserer Mandanten fristgerecht; egal was kommt. Die verschobene Einführung des beA, der Fristendruck, Gerichtstermine, die schwangere Mitarbeiterin… Nichts hindert uns.

Doch Hand auf´s Herz: Können Sie sich heute – 3 Wochen nach Neujahr – noch an Ihre privaten Neujahrsvorsätze erinnern? Haben Sie zumindest begonnen, sie umzusetzen? Bei den meisten von uns sind die Neujahrsvorsätze längst im Alltagsstress schon wieder in den Hintergrund getreten. Doch woran liegt das? Warum schaffen wir es beruflich, die uns gesteckten Ziele und Termine einzuhalten, nicht jedoch auch im privaten? Fehlt es uns an der privaten Rotfrist?

3. Fest steht: das WARUM ist entscheidend!

Als Juristen haben wir gelernt, nicht nur darauf zu schauen, was jemand gemacht hat und wie er es gemacht hat, sondern auch zu fragen: WARUM hat er es gemacht? Und ja: mal sind die Beweggründe am Ende rechtlich relevant, mal heißt es nur “Trau schau wem”. Mal können Beweggründe Strafe mildern, ein andernmal verschärfen. Und mal wünschen wir uns als Anwälte, die Beweggründe unserer Mandanten gar nicht zu kennen.

Privat hingegen fragen wir uns viel zu selten nach dem WARUM.

Ich möchte Ihnen dazu eine kurze Geschichte erzählen: Als ich neulich eine Anfrage für einen Impulsvortrag bekam, dachte ich zuerst: Warum nicht? Das Thema gehörte zwar nicht zu meinen Kompetenzthemen und auch das Setting war nicht das, was ich üblicherweise auf meinen Keynotes und Trainings gewohnt war – man kam jedoch so nett auf mich zu, dass ich der Anfrage schlicht nicht widerstehen konnte. Als man mir dann jedoch erklärte, dass man außer den Auslagen nichts würde zahlen können, poppte sofort diese rote Lampe auf mit “Warum sollte ich den Impulsvortrag dann also halten?”. Und im nächsten Moment spürte ich dieses „Klicken“. Kennen Sie das? Wenn sich Ihnen plötzlich ein Gedanke aufdrängt? Sich Dinge zusammenfügen und es Klarer wird? “Warum sollte ich es tun”?

4. Natürlich kann Bezahlung ein guter Grund sein.

Doch ich bin nun in einem Alter, in dem ich mich nicht mehr ohne weiteres zurückziehen kann auf: “Sie war jung und brauchte das Geld.” Leider – oder Gott sei Dank. Und ich glaube, dass gilt auch für die meisten von uns. Uns sollte also schon etwas mehr einfallen. Immerhin würden wir manche Dinge heute für alles Geld der Welt nicht tun. Warum also machen wir das, was wir machen?

5. Weil wir es können?

Warum stehen wir jeden Morgen auf? Warum fahren wir jeden Morgen ins Büro, wälzen Aktenberge, ärgern uns mit unmotivierten Mitarbeitern und übermotivierten Mandanten rum, mit vorhandener Technik und nicht vorhandener (wie dem beA) und kehren spätabends wieder heim? Weil wir es können? Wirklich?

WARUM machen wir das was wir tun?

6. Weil es sich gut und richtig anfühlt

Nun manche werden sagen: Wenn ich für etwas bezahlt werde, was ich kann, fühlt es sich immer irgendwie gut und richtig an. Doch ist das wirklich unsere Motivation? Für etwas bezahlt zu werden, was wir können: keine Anstrengung, keine Aufregung – immer schön innerhalb unserer Komfortzone bleiben?

Die besten Dinge sind doch schon immer jenseits unserer Komfortzone gewesen: Schweißperlen und Adrenalin inklusive. Der erste Kuss, das bestandene Examen. Auch, wenn es sich am Anfang alles andere als gut und richtig anfühlte.

7. Die Entscheidung trifft der Bauch!

Ich habe am Ende zugestimmt den Impulsvortrag zu halten, weil mir mein Bauch sagte, dass das ganz klar außerhalb meiner Komfortzone liegen würde! Weil er mir aber auch sagte, dass diese Veranstaltung eine „super Idee“ ist und ich mich deshalb geehrt fühlte, überhaupt eingeladen worden zu sein.

Geld? Können? Egal. „JA!“

Und genau das ist der Punkt: Dieses “JA” aus unserem Bauch!

Wann haben Sie das letzte Mal auf Ihren Bauch gehört? Heute Morgen? Gestern? Als Sie Ihre Neujahrsvorsätze fassten?

Oder haben Sie sich nur wie die meisten von uns gedacht: Warum nicht?

8. „Warum nicht?“ heißt: Autopilot

Im Alltag müssen wir unserer Entscheidungen in Buchteilen von Sekunden treffen. Wir verarbeiten dabei nur einen Teil der uns zur Verfügung stehenden Informationen und greifen (unbewusst) auf Muster und Erfahrungen zu: automatisieren unsere Entscheidungen. Das ist evolutionstechnisch gesehen überlebenswichtig. Doch sollten wir uns fragen, wann wir tatsächlich diesen Autopiloten brauchen und wann nicht. Wann hilft uns ein “warum nicht” effizient durch den Alltag zu kommen – und wann hindert es uns, die uns wirklich wichtigen Dinge umzusetzen?

Evolutionstechnisch gesehen bedeutet ein „Warum nicht“ innerhalb unserer sicheren Komfortzone zu bleiben. Neujahrsvorsätze – das liegt in der Natur der Sache – zielen grundsätzlich auf etwas außerhalb davon!

Ihr einziger Joker, Ihr einziger Schlüssel, Ihre einzige Brücke, Ihr einziger Freund auf dem Weg nach dort draußen ist:

9. Ihre ganz persönliche Antwort auf die Frage: WARUM?
Ein Vorhaben kann objektiv gesehen noch so erstrebenswert sein: Die Frage ist allein, ob es für SIE erstrebenswert ist. Um bei unseren Rechtsbeispielen zu bleiben: Natürlich könnten Sie sich scheiden lassen. Sie wissen sogar wie es geht. Und vielleicht sprechen auch objektive Gründe dafür. Ja, vielleicht rät Ihnen sogar Ihr bester Freund dazu. Die Frage für SIE ist jedoch: WARUM sollten SIE das tun?

10. Fazit

So auch bei den Neujahrsvorsätzen: nur wenn wir wissen, warum wir etwas anpacken wollen, haben die Vorsätze eine Chance, nicht schon in der ersten Januarwoche vergessen zu werden.

Beginnen Sie sich zu fragen, warum sie etwas machen!

Wenn es des Geldes wegen ist: gut. Wenn es aus anderen Gründen ist: um so besser. Wichtig ist jedoch, dass Sie IHRE Antwort kennen und sich bewusst dafür entscheiden.

Fragen Sie sich also nicht: Was Sie verändern möchten. Oder wie.

Fragen Sie sich: Warum Sie es verändern möchten!

Starten Sie mit dem WARUM!

In diesem Sinne –

Herzlichst,

Ihre Dr. Geertje Tutschka, ACC

PS: Mehr zu unseren Vorhaben 2016 finden Sie in unserem „CLP-Programm 2016“ auf unserer CLP-Webseite (www.coachingorlegals.com), ebenso wie unseren „CLP 2015 Annual Report“.

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