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Die HR-Blogger Community nimmt Fahrt auf

Gerhard Kenk

Von Gerhard Kenk, Crosswater Job Guide.

HR-Blogger werden als eine Alternative zu den etablierten Printmedien im Personalwesen zusehends stärker wahrgenommen. Auf der vor einigen Wochen zu Ende gegangenen Personalmesse Zukunft Personal 2015 in Köln präsentierte sich die HR-Blogger-Szene mit einem eigenen Stand. Wie wichtig sind HR-Blogs als Informationsmedium für Personaler?

Als die Personalmesse Zukunft Personal 2015 erstmals einen Messestand für die HR-Blog-Community zur Verfügung stellte, konnten dort wichtige und einflussreiche Blogger ihr Konzept darstellen und den  besuchenden Personalern erläutern. Dies war eine wichtige Zäsur von der bisherigen Berichterstattung im Fachmagazin „Personalmagazin“ aus dem Haufe-Verlag.

Damals, im Sommer 2013 führte das Fachmagazin Personalmagazin eine Umfrage zu HR-Blogs durch, der publizierte Bericht inklusive Bewertungen führte zu einem Aufschrei. Wichtige Blogs fehlten, die Umfrage-Methodik entpuppte sich als eine verkappte Erhebung eines Personaldienstleisters und die Bewertungsmethodik – na ja, Schwamm drüber.

Gero Hesse, Betreiber des renommierten HR-Blogs „saatkorn“, schrieb dazu:

2013 gab es in der deutschen HR Blogger Szene mal so richtig Trouble: das Personalmagazin hatte damals unter wissenschaftlicher Leitung von Prof. Dr. Thorsten Petry die deutschen HR Blogs geranked. Das fanden Viele nicht so witzig. Meine Gedanken zum Ranking von damals findet man HIER. Letzten Endes hatte sich alles wieder in Wohlgefallen aufgelöst, ist die Frage nach dem Nutzen eines solchen Rankings (wie bei vielen anderen Rankings) doch eher zweitrangig. Die LeserInnen werden schon ihre subjektiv eigenen Gründe haben, warum Sie einen Blog lesen.

Auch Marcus K. Reif nahm in seiner Reaktion auf die Umfrage kein Blatt vor den Mund: Der #Aufschrei – HR-Blogs-Ranking von Nicht-Experten für Experten.

Die Redakteure des Personalmagzins scheinen nun von einem Extrem ins andere zu fallen, nur so kann man die Neuauflage der HR-Blog-Umfrage interpretieren. Statt vieler Fragen wurde alles auf zwei Punkte reduziert: Welches Blog soll bewertet werden, was ist wichtig (Aktualität, Innovovation, Unterhaltungswert) und andere diffuse sich überlappende Kriterien.

Das allerwichtigste Kriterium, nämlich die Leserreichweite eines Blogs, wird nach wie vor komplett ignoriert.

Der Trend zu Fraktalisierung und Fragmentierung

Bei nahezu allen Internet-basierten Marktplätzen ist ein Trend zur Fraktalisierung und Fragmentierung festzustellen. Im digitalen Recruitingmarkt ist dieser Trend auch offensichtlich.

  • Bei den Jobsuchmaschinen sitzt der langjährige Platzhirsch Kimeta fest auf der Pole-Position und wird derzeit intensiv von Indeed herausgefordert. Doch damit ist es nicht genug – neue Jobsuchmaschinen braucht das Land. So gibt es mittlerweile über 60 Jobsuchmaschinen, die alle mit einem ähnlichen, fast austauschbaren Geschäftsmodell Furore machen möchten.
  • Bei den Generalisten der Jobbörsen ist der Trend zur Fragmentierung auch ausgprägt – zur Verwirrung der Bewerber und Recruiter dienen ähnliche klingende Domain-Namen, wie z.B.
    • Jobbörse.de
    • Jobbörse.com
    • Jobboerse.de
  • Ganz unübersichtlich wird es bei den Spezialjobbörsen. Diese punkten zwar in der Gunst der Bewerber gegenüber den Generalisten, wer hat noch den Überblick darüber, welche Spezialjobbörse für bestimmte Zielgruppen bezüglich Branche oder Beruf leistungsfähig sind?
    Der Autor dieser Zeilen verliert gelegentlich auch den Überblick, rettet sich aber durch das Nachschlagen der Online-Datenbank „Jobbörsen nach Branche / Beruf“.

Besonders gut zu beobachten ist der Trend zur Fragmentierung bei den Spezialjobbörsen, beispielweise für die Zielgruppe der Lebensmittelwirtschaft. Hier galt lange Jahre die Jobbörse der Lebensmittelzeitung LZ-Jobs als Marktführer. Nun tritt mit foodjobs.de ein neuer Herausforderer in den Ring – und schon etwa zwei Jahren nach Betriebsaufnahme publiziert die Düsseldorfer Jobbörse mehr Stellenanzeigen (270 gegenüber 107), hat mehr monatlichen Besucher (10.000 gegenüber 7.000) und liegt beim Alexa-Ranking auch besser (439.693 gegenüber 746.318).

HR-Blogs mit Chancen und Risiken

Auch HR-Blogs unterliegen den Trends und Prinzipien internet-basierter Marktplätze. Dabei stehen HR-Blogs in einem besonderen Spannungsverhältnis zu etablierten Fachmagazinen von Verlagen. Diese stammen noch aus einer Industrie-Generation, die durch hohe Fixkosten des Druck-Produktionsbetriebs, einer rigiden Steuerung der Kernfunktionen wie Research & Dokumentation, Content-Produktion / Redaktion, Vertrieb und Distribution und einer entsprechenden straff hierarchisch orientierten Managementstruktur gekennzeichnet ist.

Der typische HR-Blogger ist ein Einzelkämpfer und Überzeugungstäter, berichtet aus seinen eigenen Kompetenzfeldern und liefert Berichte und Analysen für seine Leser, die es in dieser Form vermutlich nur selten in die Fachmagazine oder Mainstream-Medien schaffen würden.

Große wirtschaftliche Risiken gehen HR-Blogger nicht wirklich ein. Mit minimalen Startkosten lässt sich ein Blog einrichten, Content wird produziert wenn Zeit und  Ideen vorhanden sind. Und der Lebensunterhalt wird nicht ausschliesslich mit Bloggen bestritten.

In 30 Minuten zum eigenen Blog

Hand auf’s Herz – so schnell sich ein eigener Blog wirklich realisieren. Voraussetzungen sind eine gültig Kreditkarte sowie ein Domain-Name, der noch frei ist. Sofern der Domain-Name auf .com oder .net endet, können sich angehende HR-Blogger beispielweise bei einem der größten Service-Provider, BLUEHOST.com aus Utah, USA, einrichten. Das besondere an BLUEHOST ist nicht die Standortnähe zur NSA (die wissen eh schon alles – und weshalb sollte sich dieser Dienst über ein öffentliches Blog Gedanken machen), sondern die extrem günstigen monatlichen Kosten von weniger als 5 Euro. Hinzu kommt eine fast sensationell einfache Bedienerführung bei der Einrichtung des Blogs. Wer sich für die Installation von WordPress, dem Rolls-Royce der Publishing-Software entscheidet, schafft das mit ganz wenigen Clicks. User-ID des Admins, Passwort, gewünschtes Verzeichnis – und schon gehts los. Dann wird noch ein individuelles WordPress-Thema ausgewählt und schon kann publiziert werden.

Kurze Vorlaufzeiten, geringste Start-up Investitionen und schnelle Umsetzung sind die Hilfestellungen für Blogger, aktiv ihre Projekte umzusetzen.

Andererseits schaffen diese leichten Start-up-Bedingungen auch die Grundlagen, für immer mehr HR-Blog-Gründung – Fraktalisierung und Fragmentierung lassen grüßen.

Auftritt der Aggregatoren

Wenn Internet-basierte Märkte – dazu gehören auch Kommunikations-Plätze wie Blogs, Foren und Social-Media-Netzwerke zu viel, zu spezialisiert und zu unübersichtlich werden, schlägt die Stunde der Aggregatoren.

In den Expansionsjahren des Internets lief nichts ohne die Nutzung von Suchmaschinen. Noch bis Mitte der 1990er Jahre dominiert Suchmaschinen wie Magellan oder Northern Light die Szene, wurden dann aber ab 1997 von einer besseren Mausefalle namens Google, der Lieblingssuchmaschine von EU-Politikern, Zeitungsverlagen und Datenschutz-Aktivisten,  abgelöst.

In der Touristik geht nichts mehr ohne Informationen im Internet – auch hier haben Aggregatoren wie z.B. Tripadvisor oder Hotelbuchungsaggregatoren wie Hotels.com eine wichtige Konsolidierungsrolle übernommen.

Der digitale Recruitingmarkt kommt national und international nicht mehr ohne Aggregatoren – die in Deutschland als Jobsuchmaschinen bezeichnet werden – aus. Indeed aus Austin (Texas) ist das internationale Powerhouse, mittlerweile im Besitz des japanischen Recruit-Konzerns.

HR-Blogs spielen – gemessen an diesen Beispielen – noch eine beschränkte Rolle –  und doch stehen die Zeichen auf Fortschritt:

  • Die Initialkosten für ein neues HR-Blog sind minimal
  • Der zeitliche Aufwand für die Registrierung einer neuen Blog-Domain ist sehr überschaubar
  • Neue Autoren und vielfältige Themen laden Content-Creatoren zu neuen Creationen ein

Potentielle Leser der HR-Blogs benötigen zusehends eine Orientierungshilfe: Welche HR-Blogs existieren, welche Themenschwerpunkte werden bedient und wie sieht es aus mit der Expertise und Kompetenz der Blog-Autoren?

Erste Schritte in diese Richtung gibt es schon.

Simone Janson, Buchautorin und HR-Bloggerin

Simone Janson, Journalistin und Bloggerin (Berufebilder) implementierte vor Kurzem einen Berufebilder News-Aggregator für HR-Blogs, inklusive Statistiken über Sharing und Referral-Statistiken in den diversen Medien.

Thomas Eggert von der BEGIS GmbH hat das HR-Blog „Noch ein HR-Blog“ gegründet und stellt unter http://hr-blogger.de/ ein umfangreiches Verzeichnis bereit. Als Schmankerl bietet Eggert einige dieser Informationen auch via App.

Personalblogger ist ein Blog-Projekt mehrerer Autoren. http://www.personalblogger.net/

Auch Crosswater-Job-Guide unterstützt mit einer neuen Online-Datenbank diesen Trend zur Aggregation. HR-Blogger können die wesentlichen Details und Charakteristika ihres Blogs kostenlos hier eintragen: http://crosswater-job-guide.com/marktplatz/hr-blogs und erhalten so die Gelegenheit, die „Viewability“ ihres Blogs zu verbessern und ihr Blog einem ständigen Besucherstrom von ca. 25.000 monatlichen Besuchern zu präsentieren.

Ina Feierber und Jo Diercks beim Recruiting After Work in Frankfurt

Management Coach Dr. Brigitte Wolter schreibt in ihrem Brandinvest.com Blog zu den Themen Coaching/Consulting, Führung und Erfolg.  Auch Personalmarketing-Expertin Ina Ferber berichtet in ihrem Blog über Themen rund um Employerreputation.  Jo Diercks ist mit seinem hochfrequentierten Recrutainment-Blog als Mann der ersten Stunde ebenfalls vertreten.

Love What You Do

Experten möchten ihre Erkenntnisse teilen, am liebsten über Soziale Netze und eigene Blogs. Unmittelbar, authentisch, häufig ohne Rücksichtnahme der weichgespülten „Politischen Correctnes“. Nur mit einer solchen Motivation konnten Henner Knabenreich und Jannis Tsalikis die „Goldene Runkelrübe“ als Schmähpreis für schlechte Personalkommunikation ins Leben rufen.

Allen HR-Bloggern ist eines gemeinsam: Sie sind mit Herzblut dabei.

Love What You Do: Wandbemalung im historischen Literatenviertel in Madrid

Love What You Do: Wandbemalung im historischen Literatenviertel in Madrid

Autor:

Gerhard Kenk

Von Gerhard Kenk, Crosswater Job Guide.

 

Mail: gerhard.kenk@crosswater-job-guide.com
http://crosswater-job-guide.com

 

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